Demenz kündigt sich schon 15 Jahre vorher an.

1,2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Demenz. Je älter man wird, desto höher ist das Risiko. Zwischen 80 und 90 Jahren ist bereits jeder dritte Bundesbürger von dieser Krankheit betroffen. Bei einer Demenzerkrankung werden die Verbindungen zwischen den Nervenzellen durch Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn zerstört. Dadurch stehen den Erkrankten im Laufe der Zeit immer weniger Nervenzellen zur Verfügung. Sie verlieren deshalb zunehmend die Fähigkeit zum Denken und Erinnern, sodass früher oder später ein eigenständiges Leben ohne Hilfe nicht mehr möglich ist.

Demenz_55

Der Einfluss schlechten Schlafes auf Demenz

Forscher konnten mittlerweile den Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und dem Auftreten von Demenz nachweisen. Eine Studie der „Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health“ hat gezeigt, dass eine schlechte Schlafqualität mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Demenz einhergeht. Zu demselben Ergebnis kam auch eine Studie der „Stanford University“ und der „Washington Medical School“. Demnach erhöht nur eine Nacht schlechten Schlafs die Anzahl bestimmter Ablagerungen im Gehirn, die mit Demenz in Verbindung gebracht werden. „Wenn die Rolle des Schlafs in der Entwicklung von Demenz geklärt ist, gibt es die Hoffnung, dass Methoden zur Intervention identifiziert werden können, die es möglich machen, die Krankheit herauszuzögern oder sogar zu verhindern“, erklärt der Wissenschaftler Matthew P. Pase. 

Spezielle Störung erhöht Risiko 

Insomnia

Eine Studie aus Kanada hat nun ergeben, dass Demenz ebenso wie Parkinson schon 15 Jahre vor der eigentlichen Diagnose erkannt werden kann. Die Forscher konnten den Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer Schlafstörung und einem höheren Risiko für eine Störung im neurodegenerativen Bereich nachweisen. Die Betroffenen schlagen und treten demnach im REM-Schlaf um sich. Manchmal fallen sie dabei sogar aus dem Bett. Der REM-Schlaf macht ein Viertel des Gesamtschlafs aus und ist durch schnelle Augenbewegungen bei geschlossenen Augen gekennzeichnet (REM = „rapid eye movement“). Bei einer REM-Schlafstörung bewegen sich die Betroffenen entsprechend ihren Träumen. Nun konnten die kanadischen Wissenschaftler belegen, dass diese Menschen ein um 80 bis 100 Prozent höheres Risiko für eine neurodegenerative Erkrankung wie Parkinson oder Demenz haben. Die Erkrankung tritt demnach etwa 15 Jahre später auf.

Eine weitere Studie, die im Fachmagazin „Neurology“ veröffentlicht wurde, bestätigt ebenso den Einfluss des REM-Schlafes auf das Auftreten von Demenz. Die Untersuchung von 321 Probanden mit einem durchschnittlichen Alter von 61 Jahren ergab, dass Menschen mit weniger REM-Schlaf oder Traumphasenschlaf ein höheres Risiko für Demenz aufwiesen. Zudem stieg das Risiko für die Erkrankung, wenn sich die Teilnehmer für weniger als 20 Prozent ihres Schlafs in der Traumphase befanden oder länger als 90 Minuten brauchten, um die REM-Phase zu erreichen. 

Früherkennung ist wichtig 

Demenz zeigt sich anhand verschiedenster Symptome, die das Leben mehr oder weniger einschränken. Dazu gehören:

  • Zunehmende Vergesslichkeit

wdas

Ab und an Namen oder andere Kleinigkeiten zu vergessen, ist kein Grund zur Sorge. Bei einer Demenzerkrankung vergessen die Betroffenen jedoch immer mehr: Namen von Angehörigen, Medikamente, Geburtstage und viele weitere Dinge sind plötzlich aus dem Gedächtnis verschwunden. An kürzer zurückliegende Ereignisse können sie sich kaum oder gar nicht mehr erinnern. Das Langzeitgedächtnis funktioniert dagegen noch recht gut, wobei auch dieses mit der Zeit immer mehr abnimmt.

  • Sprachschwierigkeiten

Den an Demenz Erkrankten fallen selbst einfachste Wörter nicht mehr ein. Deswegen benutzen sie Füllwörter. Dadurch kann es zu Verständnisschwierigkeiten bei Gesprächen kommen. 

  • Falsches Ablegen von Gegenständen

Banane im Kleiderschrank, Zahnbürste im Bett, Uhr im Kühlschrank – Betroffene neigen zunehmend dazu, Gegenstände an Orte zu legen, an die sie nicht gehören. Anschließend können sie sich nicht mehr daran erinnern, wo sie etwas abgelegt haben. 

  • Orientierungsprobleme

Jeder Mensch verläuft sich einmal oder vergisst, welcher Wochentag gerade ist. Bei Demenzkranken kann es passieren, dass sie sich nicht mehr in ihrer eigenen Straße oder gar Wohnung zurechtfinden. Sie gehen beispielsweise in einen Raum ihrer Wohnung und wissen nicht mehr, wo sie sind, geschweige denn, was sie dort wollten. 

  • Probleme bei gewohnten Handlungen 

sdf

Seit Jahren kocht Oma deine Leibspeise Spaghetti bolognese. Doch plötzlich kann sie sich nicht mehr daran erinnern, wie das gemacht wird. Solche und ähnliche Schwierigkeiten, die eigentlich routinierte Handlungen betreffen, treten bei den Betroffenen immer häufiger auf. 

  • Persönlichkeitsveränderung

Dieser Punkt stellt insbesondere für Angehörige häufig eine große Belastung dar. Denn die Krankheit kann auch einen gravierenden Einfluss auf den Charakter des Erkrankten haben. Ein ehemals fröhlicher und extrovertierter Mensch kann beispielsweise plötzlich zu aggressiven und abweisenden Verhaltensweisen neigen. Auch abrupte Stimmungsschwankungen sind bei einer Demenz nichts Seltenes.

  • Schwierigkeiten mit Zahlen 

Abstraktes Denken fällt Demenzkranken sehr schwer. Sie können daher mit Zahlen oder gar Rechnungen überhaupt nichts anfangen. Deswegen müssen sich die Angehörigen oder ein anderer Vormund früher oder später auch um die Finanzen der Betroffenen kümmern. 

  • Vernachlässigung der Hygiene 

Regelmäßiges Duschen, Zähneputzen oder Händewaschen? Bei Demenzpatienten Fehlanzeige! Daher müssen Pfleger oder Angehörige dafür Sorge tragen, dass die Betroffenen ihre Hygiene nicht vernachlässigen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es häufig zu Wahnvorstellungen, vollständiger Unfähigkeit zur Bildung von Sätzen, Agnosie (Angehörige werden nicht mehr erkannt), zum Zerfall des Langzeitgedächtnisses und zu Inkontinenz. Hast du den Verdacht, dass ein Angehöriger an einer Demenz erkrankt ist, solltest du die Person zu einem Arztbesuch ermutigen. Demenz ist nicht heilbar, jedoch können die Symptome der Krankheit durch Medikamente gemildert und deren zeitlicher Verlauf verzögert werden. 

Kommentare

Auch interessant