Von außen ödes Bauernhaus ist innen wie ein Museum.

Man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen – will heißen, dass man sich bei der Einschätzung eines Menschen nicht nur von seinem Äußeren beeinflussen lassen sollte. Diese Weisheit bezieht sich aber nicht nur auf andere Personen, sondern auch auf Häuser, wie folgende Geschichte aus England beweist.

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Denn rein optisch mag das alte Farmhaus, um das es hier geht, genauso wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen wie der 1.800-Seelen-Ort Ryton-on-Dunsmore im Westen Englands, in dem es steht. Lediglich Architekturfreunde würden das Haus im sogenannten Queen-Anne-Stil aus dem 19. Jahrhundert näher betrachten wollen.

Doch das biedere Äußere lässt nicht erahnen, was einen im Inneren dieses verlassenen Farmhauses mitten im Nirgendwo erwartet und auf welche Reise man sich begibt, wenn man über seine Schwelle tritt.

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Denn im Inneren scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Haus ist eine Zeitkapsel, die das Leben im England um die 1940er Jahre herum konserviert hat.

Dass dieses Farmhaus beinahe so etwas wie ein kleines Museum ist, liegt daran, dass die Geschwister Jack und Audrey Newton 70 Jahre lang in dem Haus ihrer Eltern lebten, ohne die Einrichtung an die technischen und modischen Trends und Neuerungen anzupassen.

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Das Haus wurde seit jeher mit Kamin und Kohleofen geheizt.

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Lebensmittel wurden ohne Kühlschrank und Gefriertruhe aufbewahrt. Die Geschwister verwendeten stattdessen natürliche Methoden, um das Essen frisch zu halten.

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Neben den Möbeln und Haushaltsgegenständen stammen natürlich auch Dinge wie Brettspiele aus der Zeit, in der das Haus ursprünglich eingerichtet wurde.

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Jack und Audrey hielten auf dem 46 Hektar großen Bauernhof Rinder und Schweine, verkauften diese allerdings im Alter und konzentrierten sich nur noch darauf, das Land zu bewirtschaften.

Während des Zweiten Weltkrieges diente Jack in der englischen Luftwaffe. So findet sich im Haus sogar Amputationsbesteck.

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Obwohl Jack und Audrey nie woanders lebten als im Haus ihrer Kindheit, führten sie deshalb kein langweiliges Leben. Damals bekannte Theaterschauspieler oder Sänger wie Michael Crawford waren gern gesehene Gäste.

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Gemeinsam mit der Musikliebhaberin Audrey dürften sie gemeinsam musiziert haben. Neben zahlreichen Instrumenten finden sich auch originale Notenblätter und Schallplatten aus der damaligen Zeit.

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Allerdings haben Jack und Audrey nie geheiratet und dementsprechend keine Kinder gehabt, die das Farmhaus hätten erben können. Audrey verstarb 2011, Jack folgte ihr 2015 im Alter von 90 Jahren.

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Kurz nach Jacks Tod, im Sommer 2015, wurden die Einrichtung und das Haus versteigert.

Zur Auktion kamen mehr als 300 Interessenten und Schaulustige, um die insgesamt 500 Objekte zu bestaunen und zu ersteigern. Der Wert des Hauses selbst wurde auf rund 600.000 Pfund (ca. 680.000 Euro) festgelegt.

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Weitere Eindrücke von Jack und Audrey Newtons Farmhaus kannst in diesem Video (auf Englisch) sammeln:

Ein wenig schade ist es schon, dass das Haus nicht als Museum erhalten blieb. Vor allem in unserer schnelllebigen Gegenwart mit ihren digitalen Errungenschaften fällt es zusehends schwer, bereits den Alltag von vor zwei Generationen begreifbar zu machen.

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