Verkehrs-Tipp rät: Führerschein nie mitnehmen.

Im Internet kursiert eine Vielzahl raffinierter und praktischer Tipps. Allerdings gibt es auch solche, die zwar durchaus hilfreich sind, aber bisweilen heikle Grenzen überschreiten. Denn wirklich erlaubt ist das Befolgen so mancher Tipps nicht. Dazu zählt auch folgender Ratschlag, der ordentlichen Autofahrern einen Schauer über den Rücken jagt:

Der Tipp besagt nämlich, dass man seinen Führerschein besser zu Hause lässt. Die Mitnahme der Plastikkarte ist jedoch vorgeschrieben. Warum sollte man sich dem widersetzen?

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Dahinter steht eine simple Rechnung: Wird man bei einer Fahrzeugkontrolle ohne Lappen erwischt, ist das in Deutschland eine Ordnungswidrigkeit und kostet ein Verwarnungsgeld in Höhe von 10 Euro. Unter Umständen muss man den Führerschein am nächsten Tag bei einer Polizeiwache vorzeigen, mehr nicht. Ob man eine Fahrerlaubnis besitzt, also: ob man den Führerschein gemacht hat, können die Beamten nämlich auch in ihrem Computer nachsehen.

Hat man dagegen seinen Führerschein brav bei sich, kann das gute Stück Plastik im schlimmsten Fall eingezogen werden. Die Polizeibeamten brauchen nur den Verdacht zu haben, man stehe unter dem Einfluss von Drogen oder von Medikamenten, die die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Das kann schneller gehen, als man denkt.

Die Anwaltskanzlei Nierenz und Batz berichtet von einem Fall, in dem der Fahrer lediglich einen anstrengenden Tag und infolgedessen gerötete Augen hatte. Die Polizisten nahmen jedoch eine Blutprobe und behielten die Fahrpappe ein. Der zu Unrecht Verdächtigte musste knapp 3 Monate warten, bis die Blutprobe ausgewertet war und er wieder fahren durfte. Die Schnelltests, die die Streife dabei hat, schlagen nämlich nicht auf alle Drogen und Medikamente an.

Dilated Eye

Bei manchen Menschen weiten sich die Pupillen, wenn sie aufgeregt sind, und die Oberlippe schwitzt – in den Augen der Polizisten macht man sich damit verdächtig. Für die Zeit, in der man auf sein Auto verzichten muss, hat man kein Recht auf Entschädigung. Fährt man, obwohl der Führerschein eingezogen wurde, ist das keine Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Dann kommt man nicht mehr mit ein paar Euro davon.

Das Problem an dem Ratschlag ist, dass ihn auch Leute befolgen könnten, die tatsächlich Drogen nehmen. Für diese wäre der Trick wie ein Freifahrtschein für die Zeit bis zur Auswertung des Bluttests. Andererseits dürfte das bewusste „Vergessen“ des Lappens in gewissen Kreisen längst bekannt sein.

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Was also tun? Muss das Bußgeld so weit erhöht werden, bis sich das bewusste Ignorieren der Straßenverkehrsordnung nicht mehr lohnt? Damit würde man aber nur die Falschen treffen.

Wichtiger scheint es, Polizei und Gerichtsmedizin besser auszustatten, damit Blutproben zeitnah bearbeitet werden können. Auf diese Weise würden nicht nur Unschuldige ihre Fahrerlaubnis schneller zurückerhalten, sondern auch die Risiko-Fahrer unter Drogeneinfluss blieben nicht wochenlang unbehelligt auf den Straßen.

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