Einmalig: Aus einem Ozeanriesen wurde ein ganz besonderes Wohnhaus.

Wenn es um ungewöhnliche menschliche „Behausungen“ geht, sind der Fantasie wahrlich keine Grenzen gesetzt. Doch die Idee, die dem folgenden Wohnprojekt zugrunde liegt, ist wegen ihrer ausgeklügelten Art der Umsetzung wohl einzigartig auf dieser Welt.

Schon wenn man sich dem Haus aus der Vogelperspektive nähert, wird man stutzig und beginnt etwas zu ahnen. Wir befinden uns an der Küste des Erie-Sees, ganz in der Nähe der Stadt Sandusky im US-Bundesstaat Ohio. Und der See spielt bei der Geschichte auch eine tragende Rolle.

YouTube/shiponthebay

Fast könnte man behaupten, das Bauwerk stehe nicht nur am, sondern auch im Wasser des Sees, der durch Theodor Fontanes Ballade „John Maynard“ sogar hierzulande einige Berühmtheit erlangt hat. Denn knapper an der Steilküste als hier kann man nun wirklich nicht bauen.

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Und wie du vielleicht schon vermutet hast: Das, was da wie ein Schwalbennest an der Kliffkante klebt, ist kein Haus aus Holz und Stein. Es handelt sich um das Vorderdeck eines ausgedienten Schiffes namens „Benson Ford“.

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So sah das riesige Transportschiff in den 1930-er Jahren aus, als es noch in voller Pracht über die großen Seen Nordamerikas fuhr. Meist war es auf seinem Weg in die Autometropole Detroit, bis zum Bersten mit Stahlteilen beladen.

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Denn wie der Name schon vermuten lässt, gehörte das Schiff dem Konzern von Henry Ford, welcher seinerzeit der führende Automobilhersteller der Welt war. Benson Ford war der Enkel des Firmengründers und Namenspate für den riesigen Schlepper. Gemeinsam mit seinem Bruder Henry II., nach dem ein baugleiches Schwesterschiff benannt wurde, war der damals 5-Jährige höchstpersönlich beim Stapellauf dabei.

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Doch nicht nur das. Die beiden Jungen durften sogar zeitgleich den symbolischen roten Knopf drücken, der die Stahlkolosse zum ersten Mal ins Wasser „entließ“. Den ersten Transporteinsatz hatte die „Benson Ford“ im Jahr 1924, und es sollten noch viele weitere Jahre im Dienste des Ford-Konzerns dazukommen.

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Doch 1981 entschied der Ford-Konzern, sich aus finanziellen Gründen von dem Schiff zu trennen. Damals war der Automobil-Boom vor allem durch die Ölkrisen der 1970er-Jahre merklich abgeebbt, und man entschied sich, auf eine kleinere und modernere Flotte zu setzen.

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Das sind die Käufer der „Benson Ford“: Jerry und Brian Kasper aus einer Kleinstadt in der Nähe von Cleveland (Ohio). Sie und der Rest der Kasper-Familie sahen in dem Schiff etwas, das sonst niemand erkannte. Und auch, wenn einige Leute mit dem Kopf schüttelten, sie hatten einen Traum.

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Nach längeren Überlegungen wählten sie einen völlig ungewöhnlichen Weg der Nutzung. Basis dieser Entscheidung war der tadellose und originalgetreue Zustand der Inneneinrichtung des Schiffes. Die Familie entschied kurzerhand: Lasst uns daraus ein Sommerhaus bauen!

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Also wurde mit schwerer Technik das Vorderdeck der „Benson Ford“ vom Rest des Schiffes abgetrennt und auf eine kleine Insel in die Nähe der Heimatstadt der Kaspers gebracht. Im Inneren der Kabine ließ man dabei alles unangetastet im Stile der 1920-er Jahre. Inklusive Kamin.

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Neben Kaminzimmer und mehreren Kajüten gibt es auch eine voll eingerichtete Kombüse. Darin kann der Smutje, also der Schiffskoch, nach Lust und Laune schalten und walten.

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Zwischenzeitlich hatte die Familie die Idee, ein Teil des Schiffes als Pension zu nutzen. Allerdings spielten die Behörden nicht mit. Und so verbringt die Familie Kasper jeden Sommer an Bord und genießt die Seeluft.

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Selbst die Brücke mitsamt Steuerrad und Kompass blieb originalgetreu erhalten. Der Ausblick aus den Fenstern auf das weite Blau des Erie-Sees ist einfach überragend.

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Doch der allerschönste Platz ist ganz vorne am Bug. Da fühlt man richtig die Kraft der Wellen, und ist sich sicher: Die Mühen haben sich gelohnt.

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Immer wenn Gäste kommen, versammeln sich alle an der Reling und genießen den Blick auf den Erie-See. Und ganz sicher wünscht sich jeder auch solch ein atemberaubendes Haus.

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Hier das Video dazu:

Das Prinzip „Hausboot“ wurde hier einmal völlig neu interpretiert. Und zwar komplett andersherum, als es bisher üblich war: Hier wurde kein Haus aufs Wasser gebracht, sondern ein Schiff an Land. Doch manchmal liegt der Schlüssel darin, einfach mal etwas zu wagen, um am Ende zu gewinnen.

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