8 Kinder-Mythen, die so nicht stimmen.

Man darf es ruhig einmal zugeben: Die meisten Eltern denken bei der Erziehung ihres Nachwuchses nicht erst zehnmal über jedes einzelne Wort oder jede einzelne Regel nach, auch wenn sich das mancher Ratgeber so wünschte. Oft wird schlicht wiederholt, was bereits die eigenen Eltern gesagt haben.

In den meisten Fällen kommt man damit gut zurecht. Ganz nach dem Credo: Was sich bewährt hat, wird schon nicht falsch sein. Auf diese Weise bilden sich jedoch zuweilen auch Mythen heraus, die jedem selbstverständlich erscheinen und die dennoch so nicht stimmen.

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1.) Zucker macht hyperaktiv.

Zucker ist nicht gesund. Zucker schadet den Zähnen und führt zu Fettleibigkeit. Richtig. Für viele Eltern hat es mit der Bösartigkeit dieses Süßungsmittels damit aber noch kein Ende. Sie fürchten, von zu viel Süßigkeiten und Limonade würden ihre Kinder zu unkontrollierbaren Bestien: Wie aufgedreht wirbeln sie durch die Gegend und sind kaum noch ansprechbar.

Medizinische Studien konnten diese Wirkung allerdings nicht belegen. Dass Eltern das Phänomen in ihrem Alltag durchaus bestätigt finden, liegt dagegen am „Klapperstorch-Effekt“. Wie in vergangenen Zeiten im Frühjahr mit der Rückkehr der Störche die Geburtenrate leicht anstieg, so wird auch dem Zucker etwas angelastet, das seine Ursache ganz woanders hat. Besonders viele Süßigkeiten und Limonade gibt es nämlich zumeist an Geburtstagen oder auf großen Festen. Diese sind für die Sprösslinge sehr aufregend, wodurch sie natürlich auch zappelig und unkonzentriert werden. Da Zucker moralisch in Verruf steht, kommt er den Eltern dann als Sündenbock gerade recht. Eltern bewerten übrigens das Verhalten ihrer Kinder insgesamt negativer, wenn sie nur glauben, sie hätten Süßes genascht.

 

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2.) Kaugummi verklebt den Magen.

Kindern fällt es schwer, Kaugummis nicht herunterzuschlucken. Es ist einfach ein Reflex. Jedes Mal heben sich da die Augenbrauen der gestrengen Mutter, und die grauenvolle Vorstellung von Magenwänden, die von zähen Kaugummifäden zusammengepappt werden, wird wachgerufen. Die Angst ist aber unbegründet. Denn Kaugummis reisen wie alles Unverdauliche schlicht und ergreifend ein paar Tage durch den Verdauungstrakt, um schließlich in der Kloschüssel zu landen. Kleine Kinder sollten trotzdem keinen Kaugummi erhalten, damit er ihnen nicht versehentlich in die Luftröhre rutscht.

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3.) An die Wunde muss Luft ran.

Kaum etwas spendet Kindern so viel Trost wie ein Pflaster – vor allem, wenn lustige Bilder darauf sind. Ist das Knie jedoch verschrammt, hört der Dreikäsehoch nicht selten: „Da muss Luft ran!“ Die Kinder dürfen aufatmen, denn diese Weisheit stimmt nicht. Medizinisch gesehen hilft ein Pflaster tatsächlich bei der Heilung. Bei Schürfwunden entsteht nämlich ein nässendes Wundsekret, das Nährstoffe sowie Antikörper zur verletzten Stelle bringt und Dreck wie Bakterien ausschwemmt. Frischluft trocknet hingegen das Sekret, was die Narbenbildung begünstigt. Das gilt insbesondere für tiefere Kratzer. 

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4.) Pusten hilft.

Sicher, ein liebevoller Puster von einem geliebten Elternteil weht den gröbsten Schmerz hinfort. Die liebevolle Zuwendung, die in dieser Geste liegt, sorgt mit der kühlen Luft für Linderung. Bei offenen Wunden sollte man von dieser Art der Erstversorgung allerdings absehen. Denn in der Atemluft können sich Erreger befinden, die zu Entzündungen führen. Außerdem trocknet – siehe Punkt 3 – die Luftzufuhr das Wundsekret aus. Bei Prellungen darf hingegen weiter kräftig gepustet werden.

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5.) Beim Schielen können die Augen stehenbleiben.

In jungen Jahren gibt man sich mitunter leidenschaftlich den dämlichsten Übungen hin, um sinnfreie Fertigkeiten zu erlangen. Man trainiert freihändig Fahrrad zu fahren, einen Ball zu balancieren oder zu schielen. Dabei warnt der Großvater doch immer: „Hör mit dem Schielen auf, sonst bleiben deine Augen irgendwann stehen.“ An diesem alten Mythos ist jedoch überhaupt nichts dran. Wer seine Augen verdreht, sieht lediglich nicht sehr helle aus. Wenn man damit für Lacher sorgen kann, warum nicht?

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6.) Vom Fernsehen bekommt man viereckige Augen.

Es wäre interessant zu wissen, ob in der heutigen Smartphone-Zeit die Augen dann hochkant viereckig werden. In der nicht ganz ernst gemeinten Warnung steckt gleichwohl ein wahrer Kern. Denn häufiger Bildschirmkonsum macht nicht selten einen Besuch beim Optiker nötig. Grund dafür ist aber weniger der Bildschirm selbst. Vielmehr blinzelt man beim ständigen Starren zu wenig, wodurch die Hornhaut nicht mit schützender Tränenflüssigkeit versorgt wird. Auch Leseratten und fleißige Näher sind folglich anfällig für Sehschwächen. Aber das wollen Eltern nur ungern verbieten!

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7.) Kein Wasser nach Kirschen!

An warmen Sommertagen im Kirschbaum sitzen und die Kerne in hohem Bogen in den Himmel spucken, daran erinnert sich jeder gern. Der ein oder andere wird sich zudem an die mahnenden Worte erinnern, nach dem Kirschenessen kein Leitungswasser zu trinken. In früheren Zeiten hat dies in der Tat zu Bauchschmerzen geführt, denn damals enthielt das Leitungswasser noch viele Keime, die im Magen Gärprozesse auslösten. Heute bekommt man Bauchschmerzen höchstens, wenn man zu viele Kirschen isst.

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8.) Vom Fingerknacken bekommt man Arthrose.

Neben quietschender Tafelkreide und Laubbläsern ruft es die unbeliebtesten Geräusche hervor: das Fingerknacken. Gesundheitsschädlich ist die nervige Angewohnheit indes nicht. Orthopäden konnten keinen Zusammenhang des Fingerknackens mit krankhaften Gelenkschmerzen wie Arthrose oder Rheuma feststellen. Um die Nerven seiner Mitmenschen zu schonen, sollte man es dennoch unterlassen.

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Mythen helfen uns im Alltag, schnelle Entscheidungen zu treffen. Gerade bei der Kindererziehung ist das in manch chaotischer Situation hilfreich. Auf manch falsche Eltern-Weisheit lässt sich dagegen gut verzichten, damit man ohne schlechtes Gewissen Geburtstagstorten auftischen sowie nach Herzenslust schielen kann.

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