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Buchstabiertafel wegen Antisemitismus ausgetauscht

Die alte Buchstabiertafel wird ausgetauscht. Denn die Buchstabiertafel mit der DIN 5009 hat eine antisemitische Geschichte. Die neue Buchstabiertafel soll nun Städtenamen enthalten.

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D wie Dora, N wie Nordpol – das war einmal. Denn die bekannte Buchstabiertafel für Deutsch hat eine dunkle Vergangenheit. Auch sonst ist sie politisch nicht ganz korrekt, weshalb sie unlängst verbannt wurde. 

Alles nur Hysterie? Was dahinter steckt und wie die neue Buchstabiertafel aussieht, erfährst du in diesem Artikel.

Bereits in diesem Jahr legt das Deutsche Institut für Normung (DIN) eine neue Buchstabiertafel vor. Diese soll aufräumen mit der bisherigen Buchstabiertafel, die noch aus der Zeit des Nationalsozialismus stammt.

Hintergrund: Wozu braucht es eine Buchstabiertafel?

Für den Privatgebrauch ist es natürlich völlig egal, welche Vergleiche man heranzieht, wenn man einen Namen oder ein kompliziertes Wort buchstabieren möchte. Wer will, kann „E wie ekelhaft“ oder „Z wie Zwiebelsuppe“ sagen.

Doch in professionellen Kontexten ist es besser, wenn beim Diktieren alle wissen, was gemeint ist. Daher regelt die DIN 5009 welche Wörter für welchen Buchstaben standardmäßig zur Verdeutlichung herangezogen werden. In der Verwaltung, bei der Polizei oder in der Luftfahrt ist die Buchstabiertafel weitgehend verbindlich und wird in den Lehrbüchern abgedruckt.

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Das Problem

Die geläufige Buchstabiertafel hat jedoch eine dunkle Vergangenheit: Sie wurde 1934 von den Nazis „arisiert“ – jüdisch klingende Namen wurden aus der seit 1890 bestehenden Buchstabiertafel eliminiert. Aus David wurde Dora, aus Nathan wurde Nordpol, aus Samuel wurde Siegfried und aus Zacharias wurde Zeppelin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat man die Änderungen der Nazis nicht wieder rückgängig gemacht. Der ideologische Schatten, der auf der Buchstabiertafel lag, wurde folglich weitergetragen. Bis Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, auf die fragwürdige Geschichte der in sämtlichen deutschen Ämtern als verbindlich gelehrten Buchstabiernorm hinwies.

Die neue Buchstabiertafel deutsch

Nun hat man 2022 die Buchstabiertafel aus der Weimarer Republik reaktiviert. Doch ist auch diese erkennbar Kind ihrer Zeit. Mit 16 männlichen und nur 6 weiblichen Vornamen entspricht sie nicht mehr unseren heutigen Vorstellungen von Gleichberechtigung. Die Buchstabiertafel aus der Weimarer Republik wird deshalb zurzeit lediglich als Übergangslösung verwendet.

Um zukünftige Probleme angemessener Repräsentation zu vermeiden, arbeitete die DIN an einer neutraleren Lösung. So sollen Städtenamen die alten Bekannten wie Emil, Richard & Co. ersetzen – ähnlich wie es auch in anderen Ländern gehandhabt wird.

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Auch bei Städten kann es natürlich zu Streitigkeiten kommen: Wie sollen Ost- und Westdeutschland vertreten sein? Welche Städte haben Vorrang? Um den Prozess möglichst fair zu gestalten, rief die DIN deshalb alle Bürger auf, Vorschläge und Kommentare einzureichen. Nach Prüfung der eingegangenen Kommentare wurde die endgültige Fassung der DIN 5009 im Mai 2022 veröffentlicht.  

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Quellen: bildderfrau, din
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