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Darum zeigen viele Männer ihre Gefühle nicht

Gefühlskalte Männer: Darum fällt es vielen schwer, ihre Gefühle zu zeigen und auszudrücken. Wir erklären, was es mit ‚toxischer Männlichkeit‘ auf sich hat.

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Jeder Mensch ist anders gestrickt. Denn jeder hat seine eigene Art, mit Gefühlen und Problemen umzugehen. Frauen tendieren eher dazu, ihre Gefühle offen zu zeigen. Männer hingegen machen Dinge oftmals mit sich selbst aus und vermeiden es, über ihre Gefühle zu sprechen. Welche drei Dinge hinter diesem Phänomen stecken könnten, erklären wir dir jetzt.

Gefühle zeigen

Seit längerer Zeit versuchen Forschende herauszufinden, warum es Männern schwerer fällt, ihre Gefühle zu zeigen. Fakt ist: Männer haben mit den gleichen mentalen Probleme zu kämpfen wie Frauen. Es gibt in dieser Hinsicht also keinen biologischen Unterschied zwischen Mann und Frau. Wieso Männer ihre Gefühle jedoch weniger zeigen und sich seltener Hilfe suchen, ist noch nicht abschließend geklärt. Drei mögliche Faktoren sind:

1. Sie wissen nicht, wie sie sich ausdrücken sollen.

Es klingt simpel, ist jedoch für Männer ein großes Thema. Der Experte Markus Theunert erklärt die verzwickte Situation: „Männer haben einen weniger geübten Zugang zu ihren Gefühlen“. Das ist vor allem durch die soziale Prägung zu begründen. Schließlich wird Männern immer wieder „eingeredet“, dass sie tapfer sein und keine Gefühle zeigen sollen. Selbst wenn sie es wollten, würde es Männern also schwerfallen, sich mitzuteilen.

Eine Illustration eines Mannes, der vor dem Spiegel posiert.
Unsere Sozialisierung kann unser Verhalten beeinflussen. (©nicoletaionescu – adobe-stock.com) Foto: Unsere Sozialisierung kann unser Verhalten beeinflussen. (©nicoletaionescu – adobe-stock.com)

2. Der soziale Druck ist zu groß.

Es seien laut Theunert vor allem Vorurteile, die Eltern Generation um Generation weitergeben und ihre Kinder auf diese Weise sozialisieren. „Gesellschaftlich wird Männern nur ein kleines Spektrum an Gefühlen zugestanden, insbesondere Wut und Aggression“, erklärt der Experte weiter. In der Gesellschaft würde man Männer oftmals als Menschen ansehen, die ständig Lust auf Sex haben und nicht über ihre Gefühle reden können.

Eine Studie zeigt, dass etwa ein Drittel der befragten Männer, den Druck verspürt, männlicher zu wirken. Bei den jüngeren Männern liegt der Prozentsatz sogar bei fast 50 %. Außerdem geben drei von zehn Männern an, dass sie noch nie vor anderen (männlichen) Personen geweint haben.

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3. Das Gehirn ist schuld.

Es gibt außerdem die Theorie, dass das männliche Gehirn der Grund ist, wieso Männer ihre Gefühle nicht zeigen und ausdrücken können. Der Corpus Callosum ist die Verbindung zwischen Fühlen und Denken im menschlichen Gehirn. Bei Frauen ist dieser ausgeprägter als bei Männern, was dazu führt, dass Frauen gleichzeitig denken und fühlen können. Männer fühlen also nicht weniger als Frauen, sondern sind biologisch nicht in der Lage, ihre Probleme im selben Moment zu artikulieren.

Eine weitere biologische Theorie: Das Hormon Testosteron, das im männlichen Körper eine große Rolle spielt, soll Emotionen unterdrücken. Aus diesem Grund würden Frauen offener mit ihren Emotionen umgehen als Männer. Belegt ist keine der beiden Theorien, sie dienen vielmehr als Ansätze für weitere Untersuchungen.

Die Illustration eines braunhaarigen Mannes, der einen Zettel mit einem Fragezeichen auf der Stirn hat.
Männer wissen manchmal nicht, wie sie ihre Gefühle zeigen sollen. (©Media Partisans) Foto: Männer wissen manchmal nicht, wie sie ihre Gefühle zeigen sollen. (©Media Partisans)

Warum es wichtig ist, dass Männer ihre Gefühle zeigen

Wahrscheinlich ist das Problem ein Zusammenspiel aus den gesellschaftlichen Erwartungen und der biologischen Veranlagung. Fakt ist jedoch: Männer suchen sich wesentlich weniger häufig psychologische Hilfe. Schockierend ist dabei die Tatsache, dass Suizid bei Männern unter 50 Jahren die häufigste Todesursache ist.

Während Frauen bei einer Depression beispielsweise traurig sind und sich zurückziehen, neigen Männer zu Aggressivität, übermäßigem Alkoholkonsum und psychosomatischen Beschwerden. „Ein Grund, warum Männer oft nicht um Hilfe bitten, ist, dass sie zwar spüren, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, aber nicht an eine Depression denken. Denn sie erkennen die typischen Symptome bei sich selbst nicht wieder“, sagt Psychologin Lina Anderhell.

Was können wir tun?

So kannst du Männern, die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu zeigen, helfen:

  • Sprich offen über deine eigenen Probleme und gib deinem Gegenüber das Gefühl, dass es dies ebenfalls tun kann.
  • Benenne toxische Männlichkeit in deinem Umfeld und achte auch auf dein eigenes Verhalten.
  • Vermeide Ausdrücke wie: „Reiß dich zusammen“.
  • Versuche weniger in den Kategorien „männlich“ und „weiblich“ zu denken.

Wichtig ist, dass man auf Anzeichen für Probleme achtet und denjenigen darauf anspricht und Hilfe anbietet. Hast du das Gefühl, dass du als Mann, deine Gefühle nicht zeigen kannst oder darfst?

Quellen: brightside, gesund-heute, actitude, kry
Vorschaubild: ©Media Partisans

Wenn du oder eine Person, die du kennst, Probleme hat, dann findest du bei folgenden Stellen Hilfe: Telefonseelsorge (0800 111 0 111; 0800 111 0 222) oder bei der Nummer gegen Kummer (116 111). Beide Angebote sind kostenlos und anonym.